Smart Wohnen Community

So neugierig sind der Google Assistant, Siri & Alexa

von Community Manager am ‎12.02.2018 15:52

Kaum ein neues Smart Home Gadget kann es sich leisten, ohne Anbindung an Sprachassistenten auf den Markt zu kommen. Dabei sind die Meinungen über den Google Assistant, Siri und Alexa ganz klar zweigeteilt: Die eine Gruppe befeuert die aktuelle Vorgehensweise der Hersteller und findet Sprachassistenten richtig cool. Doch es gibt auch viele kritische Stimmen, die weder Google noch Apple oder Amazon über den Weg trauen. Die größten Bedenken ranken sich rund um Datenschutz und Privatsphäre. Doch wann hören der Google Assistant, Siri und Alexa mit, was zeichnen sie auf, was passiert später mit den Daten und welche Kontrollmöglichkeiten haben Nutzer?
© Amazon / Smarte Assistenten haben es bis ins Schlafzimmer geschafft.
Altes Datenschutzproblem neu aufgekocht
Rufe nach mehr Datenschutz haben nicht mit dem Boom von Sprachassistenten begonnen. Schon länger stehen die großen amerikanischen Technikkonzerne in der Kritik, ihre Kundschaft zu bespitzeln und die Daten zu Geld zu machen. Mit den Sprachassistenten spitzt sich das Thema aber weiter zu, denn Smart Home Lautsprecher wie Google Home, Apple HomePod oder Amazon Echo stehen vornehmlich in Wohnzimmer, Küche, Bad und sogar in manchem Schlafzimmer. Außerdem liegt es in der Natur eines persönlichen Assistenten, und genau das wollen die smarten Helfer sein, dass er seine Dienstherren möglichst gut kennt und auf ihre Vorlieben eingehen kann. Lokal können die Sprachassistenten nur sehr begrenzt arbeiten, vor allem in den smarten Lautsprechern; deswegen ist eine Cloud-Anbindung in die Rechenzentren der Hersteller Pflicht.
© Amazon / Mit feiner Technik lauschen die Smart-Home-Lautsprecher auf ihr Stichwort.
Kleine Wanzen im Wohnzimmer: Google Assistant, Siri un Alexa hören mit
Kritiker gehen mit den Sprachassistenten hart ins Gericht, nach dem Motto, früher mussten sich die Geheimdienste um das Abhören bemühen, heute geben Menschen sogar noch Geld dafür aus, sich Wanzen ins Haus zu holen. Und tatsächlich, sieht man sich die Smart Home Lautsprecher an, kommen alle mit mehreren eingebauten Mikrofonen, die im Regelbetrieb auch die ganze Zeit eingeschaltet sind. Also ja, der Google Assistant, Siri und Alexa lauschen die ganze Zeit, aber eben nur auf ihr Stichwort, also OK Google, Hey Siri und Alexa. Erst dann zeichnen die Assistenten auf, denn zur Verarbeitung des Gesagten ist Internet-Zugriff nötig. Dass Daten übertragen werden, zeigen die Geräte an, etwa Amazon Echo über den blau leuchtenden Ring. Will man das ständige Lauschen abstellen, kann man die Mikrofone der Geräte per Knopfdruck oder Sprachkommando deaktivieren.
© Google / Auch Google bedient sich reichlich an Daten, die sein Assistant liefert.
Datenschutz beim Google Assistant
Die Datenschutzerklärungen von Google Assistant sind auf den ersten Blick gut aufbereitet, verzweigen sich dann aber schnell in viele feine Ästchen. Auf jeden Fall landet man irgendwann auch bei der allgemeinen Datenschutzerklärung, die viel Konjunktiv verwendet und so ziemlich die Speicherung aller Daten erlaubt, die bei der Interaktion mit Google-Diensten anfallen. Wichtig: Sämtliche Informationen werden über das Google-Konto personalisiert. Was man beim Google Assistant wissen muss, ist, dass er auch auf das Webprotokoll zugreift, also zum Beispiel weiß, was über Google gesucht wurde, wo Nutzer unterwegs waren und welche Videos sie auf YouTube angesehen haben. Das Webprotokoll kann man unter myactivity.google.com einsehen, inklusive den Interaktionen mit dem Google Assistant. Bei Diensten von Dritten und angebundenen Geräten verhält sich der Google Assistant ähnlich wie Alexa und zeichnet jede Menge Daten zu Geräten und Nutzung auf. Google löscht die aufgezeichneten Daten auch nicht freiwillig. Sie bleiben solange gespeichert, bis Nutzer sie selbst entfernen.
© Amazon / Alexa schickt umfangreiche Daten zu Amazon, auch über Zusatz-Dienste und -Geräte.
Datenschutz bei Alexa
Blickt man in die Alexa Nutzungsbedingungen, kriegt man einen ersten Eindruck davon, was Amazon alles an Daten per Sprachassistent sammelt; und das ist eine Menge. Nachdem das Codewort ausgesprochen wurde, werden Spracheingaben in die Amazon Cloud weitergeleitet und dort gespeichert. Gespeichert wird auch, welche Musik abgepielt wird sowie der Inhalt von To-Do- und Einkaufslisten. Wer Dienste von Dritten via Alexa nutzt, muss damit rechnen, dass Amazon auch mitliest und Daten speichert. Auch wenn Nutzer weitere Smart Home Geräte über Alexa anbinden, etwa Überwachungskameras oder intelligente Steckdosen, speichert Amazon Infos darüber ab, also etwa welche Geräte genutzt werden, ihren Standort, die Art der Netzwerkverbindung und die Firmware-Version. Wie lange Amazon die aufgezeichneten Daten speichert, wird nirgends erwähnt, deshalb kann man davon ausgehen, dass sie unbegrenzt lange aufgehoben werden. Über das Amazon-Konto werden die Daten personalisiert, sprich Amazon reichert seine ohnehin schon üppigen Kundendaten weiter mit persönlichen Daten von Alexa an.
© Apple / Apple geht mit dem HomePod noch am sparsamsten mit Nutzerdaten um.
Datenschutz bei Siri
Apple ist zwar auch nicht das Zentrum der Datenschutz-Heiligen, aber im Vergleich mit Alexa und Google Assistant geht man bei Siri noch etwas umsichtiger mit Nutzerdaten um. Die Spracherkennung des Aktivierungsworts erfolgt beim HomePod nicht in der Cloud, sondern lokal am Gerät. Erst nach der lokalen Erkennung startet die Aufzeichnung, die dann auch zu Apple-Servern gesendet wird. Wie Amazon und Google hat auch Apple eigene Benutzerkonten am Start, die Apple-IDs. Doch Apple verknüpft Siri-Daten nicht mit der Apple-ID, sondern bindet Kontakte, Suchaktivitäten und gehörte Musik an eine zufällig generierte gerätespezifischen Kennung. Apple HomePod arbeitet auch als HomeKit-Zentrale und kann Smart-Home-Geräte von Drittherstellern per Siri steuern. Auch das läuft über die Kennung, sodass Apple nicht erfährt, welche Geräte und Nutzungsszenarien einzelne Personen verwenden. Auch HomeKit selbst arbeitet einigermaßen datensparsam und will Siri nur die für den Betrieb notwendigen Daten übergeben, etwa die Namen von Räumen oder Szenen. Wenn Siri angesprochen wird, werden neben Sprachdaten auch Kennung und Standort mit zu Apple geschickt. Dort bleiben die Daten sechs Monate gespeichert, danach wird die Kennung entfernt. Bis zu zwei Jahre hebt Apple die restlichen Sprachaufzeichnungen auf, danach bleibt laut Datenschutzerklärung nur noch ein kleiner Teil bei Apple gespeichert.
© Google / Nutzer können die anfallenden Daten löschen.
Verlauf bei Sprachassistenten löschen
Bei Apple muss man nicht zwingend aktiv werden und den Verlauf löschen, nach zwei Jahren wird das Meiste automatisch gelöscht. Wer selbst löschen will, soll Siri nur deaktivieren und anschließend wieder aktivieren, dann wird eine neue Gerätekennung erzeugt und die bestehenden Daten verworfen. Wie genau das beim Apple HomePod geht, müssen wir nachreichen. Bei Amazon kann man den Verlauf über die Alexa-App unter "Einstellungen" einsehen und einzelne Sprachbefehle löschen. Wer den kompletten Verlauf löschen will, macht das im Amazon-Konto unter "Meine Inhalte und Geräte". Dort muss man unter "Meine Geräte" das entsprechende Echo-Modell auswählen. Dann geht es weiter über "Sprachaufnahmen verwalten" und "Löschen". Google packt die Sprachdaten des Google Assistant in sein Webprotokoll, das sich unter https://myactivity.google.com/product/assistant verwalten lässt. Über "Aktivitäten löschen nach" geht es zu einer Maske in der man unter "Nach Datum löschen" den Eintrag "Gesamt bisher" auswählt. Die Mikrofone der Sprachassistenten lauschen die ganze Zeit, zeichnen dabei aber nichts auf, sondern horchen auf ihr Stichwort. Siri erkennt das Stichwort lokal, Google Assistant und Alexa ziehen die Cloud zurate. Bei allen Sprachassistenten geht die Aufzeichnung der Sprachbefehle erst nach der Stichworterkennung los. Diese Daten wandern auf die Server der Hersteller. Die stehen in den USA, was dort wiederum freien Zugang für Behörden bedeutet. Google und Amazon sammeln nicht nur Spracheingaben, sondern auch Infos über verwendete Dienste und Smart-Home-Geräte von Drittanbietern. Das Ganze wird dann über das Google- bzw. Amazon-Konto auch noch personalisiert. Apple macht es anders und vermischt Siri-Daten nicht mit der Apple-ID. Stattdessen wird eine gerätespezifische Kennung verwendet. Amazon und Google heben Daten praktisch ewig auf, Nutzer müssen selbst aktiv werden und sie löschen. Apple hingegen löscht Sprachdaten nach zwei Jahren automatisch, hält sich aber ein Hintertürchen für eine längere Speicherung offen.