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So geht's: einen Magic Mirror selbst bauen

von Community Manager am ‎08.09.2017 09:10

Spieglein, Spieglein an der Wand...
Wie wird das Wetter im ganzen Land? Was für Termine stehen bei mir an und komm ich pünktlich auf der Arbeit an? Und wo ist der Sprit am günstigsten, oh Spieglein, Spieglein sag es mir!
Früh morgens in den Spiegel schauen und direkt das Wetter im Blick haben und wissen, ob man einen Regenschirm einpacken muss oder nicht. Der zweite Blick in den Spiegel verrät die tagesaktuellen Termine und zeigt eventuelle Verkehrsstörungen auf dem Weg zur Arbeit an. Die aktuellen Benzinpreise der nächsten Tankstelle, gibt es natürlich auch - im Spiegel.

© Chris Bertko / Smart Mirror zeigt aktuelle Informationen direkt im Spiegel(glas) an.
Gemeint ist nicht die Zeitschrift DER SPIEGEL, sondern der Magic Mirror. Ein halbdurchlässiger Spiegel, hinter welchem ein Display durchschimmert und so Informationen auf den Spiegel projiziert. Ja, genau solch einen Spiegel wollte ich haben. Mein Problem: Weder bin ich handwerklich besonders geschickt um einen Spiegelrahmen bauen zu können, noch besitze ich Programmierfähigkeiten, um die gewünschten Informationen aus dem Internet abzurufen und auf einem Display darzustellen.
Zufällig bin ich auf die Webseite des Projektes „Glancr“ gestoßen und fand damit genau die Lösung, um solch einen Spiegel selbst zu bauen. Die Jungs von Glancr stellen ein Image für den Raspberry Pi zur Verfügung, welches diesen ausgewählte Informationen anzeigen lässt. Der Aufbau ist modular und so können ganz einfach per Webkonfiguration, ganz ohne Programmierkentnisse Wetterdaten, Terminkalender, Benzinpreise usw. hinzugefügt werden. Sogar Wetterdaten der hauseigenen Wetterstation von Netatmo können genutzt werden.
Darüber hinaus zeigen die Jungs einen kleinen IKEA Hack und nutzen einen Bilderrahmen aus dem Schwedischen Möbelhaus als Spiegelrahmen.
Das benötigt man für den Spiegel:
  • Raspberry Pi
  • WLAN Stick für Rasperry Pi
  • Mind. 16GB Micro-SD-Karte
  • IKEA Bilderrahmen „RIBBA“ (50x50 cm)
  • 15,6“ oder alternativ 17,3“ Notebookdisplay
  • Displaycontroller inkl. Netzteil
  • HDMI Kabel, Micro USB Kabel
  • Panzertape
  • Sprühlack schwarz
  • Spiegelglas „Spionspiegel“ 50 x 50 cm


© Chris Bertko / IKEA Bilderrahmen "RIBBA! dienst als Spiegelrahmen
Nach der Shoppingtour im Schwedischen Möbelhaus, wo es den passenden Bilderrahmen gibt, führt man diese am besten im Baumarkt fort. Hier bekommt man Panzertape sowie auch den Sprühlack. Die Rückwand des Bilderrahmens wird nun schwarz besprüht. Der Spionspiegel, auch als Polizeispiegel bezeichnet, ist bekannt aus verschiedenen Krimiserien: Die Tatverdächtigen stehen in einem hell erleuchteten Raum. Der Zeuge in dem völlig dunklen Raum gegenüber. Dazwischen ist der Polizeispiegel, welcher nur von einer Seite durchsichtig ist. Die Tatverdächtigen in dem hellen Raum stehen quasi vor einem Spiegel.
© Chris Bertko / Einkausfsliste für einen Magic Mirror
Das gleiche Prinzip kommt auch bei dem magischen Spiegel zu tragen, nur, dass das Display so hell die Informationen anzeigt, dass diese durch das Glas hindurchgelassen werden. Die Innenseite des Spiegels muss daher schwarz eingefärbt werden.
© Chris Bertko / Innenseite des IKEA Rahmens wird schwarz lackiert
Auf der Rückseite des ehemaligen Bilderrahmens wird später der Raspberry PI (verbunden mit dem Display Controller über ein HDMI Kabel) mithilfe des Panzertapes befestigt. Strom bekommt der Raspberry PI über ein Micro USB Kabel, ebenfalls verbunden mit dem Display Controller.
© Chris Bertko / Auf schwarz lackierter Innenseite wird der Rasperry Pi und der Displaycrontroller mit Panzertape befestigt
Raspberry PI einrichten
Nun muss das Image auf die SD Karte geschrieben werden. Das geht leider nicht einfach per „kopieren und einfügen“. Am besten geht das mit dem Programm „SDFormatter“. Dieses Programm funktioniert sowohl unter Windows, als auch unter Mac iOSX. Hierzu wird zunächst die aktuellste Version von „Mirror OS“ benötigt. Diese gibt es hier als Download. 
Danach die MicroSD Karte in den Slot des Laptops oder einen externen Kartenleser einsetzen, so dass diese als externe Festplatte angezeigt wird. Danach kann das Programm „SDFormatter“ gestartet und die Speicherkarte mit der Option „Quick-Format“ gelöscht werden. Im Anschluss wird diese automatisch „ausgeworfen“. Nun muss die Karte kurz aus dem Kartenlesegerät entfernt - und anschließend wieder eingesteckt werden. Sie wird nun abermals als externe Festplatte angezeigt, ist jedoch komplett leer. Das eben heruntergeladene Image von „Mirror OS“ kann nun via „Win32 Disk Imager“ unter Windows oder mithilfe von „Apple Pi Baker“ unter Mac OSX auf die Speicherkarte geschrieben werden.
Nach dem erfolgreichen Schreibvorgang kann die MicroSD Karte in den Rasperry Pi eingesteckt werden. Ist dieser bereits mit dem WLAN Dongle ausgerüstet und das Display an den Display Controller angesteckt, kann der initiale Start erfolgen. Der Rasperry Pi wird ein eigenes WLAN eröffnen, mit welchem man sich via Notebook, Tablet oder Smartphone verbinden kann. Danach einfach im Browser der Wahl die Adresse: glancr.com aufrufen. Sollte das nicht funktionieren, kann alternativ die IP-Adresse: 192.168.8.1 genutzt werden.
Jetzt nur noch der Installationsroutine folgen. Die abgeforderte Email Adresse wird lediglich dazu benutzt, um nach erfolgreicher Verbindung mit dem heimischen Router, die neue Konfigurations-IP-Adresse mitzuteilen. Über einen Browser der Wahl aufgerufen, können alle Module wie Wetter, Verkehrsinformation, Netatmo, Terminkalender und Co. konfiguriert werden.
© Screenshot / Konfiguration des Mirror OS (Glancr)
Der Spiegel
Jetzt fehlt nur noch der Spiegel – das wichtigste an diesem Projekt. Leider gibt es diesen nicht im Baumarkt von der Stange - aber ein Glaser sowie auch der Fachhändler aus dem Internet können helfen! Benötigt wird ein 50 x 50 cm Spionspiegel mit einem Transmissionswert von 8-12%. Dieser Wert gibt die Lichtdurchlässigkeit des Spiegels an. 
Der Spiegel ersetzt nun die Glasscheibe des Bilderrahmens. Möchte man diesen nicht nur lose hineinlegen, so empfiehlt sich ein Silikonrand zwischen Spiegelglas und Holzrahmen als Fixierung. Anschließend wird das Display direkt auf das Spiegelglas geklebt. Hier kann wieder das altbewährte Panzertape zum Einsatz kommen.
Nun noch zwei Löcher in den oberen Bereich der Rückwand des Bilderrahmens bohren, an welchem dieser später aufgehangen werden kann. Ein weiteres Loch muss noch in eine der unteren Ecken. Hier wird später das Netzteilkabel hinausgeführt. Ist die Innenseite der Rückwand bereits schwarz lackiert, kann nun der Raspberry PI sowie der Displaycontroller befestigt werden.
Zu guter Letzt muss nun nur noch der Spiegel zusammengesetzt werden. Dafür den inneren Rahmen des Bilderrahmens einsetzen (am besten diesen zuvor auch schwarz lackieren). Danach kann schon die Rückwand aufgesetzt werden, welche nun die Technik beherbergt. Das Verbinden des Displays mit dem Controller ist über das wackelige Flachbandkabel zugegebenermaßen etwas Fummelarbeit. Aber ist dies geschafft, kann die Rückwand mit den Original-Metallnieten des Bilderrahmens befestigt werden und der Magische Spiegel an der Wand seinen Platz finden.
© Chris Bertko / Erstkonfiguration des Magic Mirror
Magische Erweiterungen
Bislang ist der Spiegel nur ein super schickes Anzeigegerät. Da im Inneren jedoch noch genügend Platz ist, könnte ein Fibaro Swipe darin Platz finden. Den Strom kann dieses ebenfalls vom Display Controller bekommen – genügend USB Ports stehen zur Verfügung.
© Chris Bertko / Fibaro Swipe hinter dem Spiegel als Gestensteuerung
So kann man ganz magisch vor dem Spiegel, durch verschiedene Gesten die Jalousien öffnen und schließen, Lichter schalten oder die Musik lauter und leiser machen. Ein Z-Wave Smart Home Gateway vorausgesetzt. Mehr dazu habe ich hier aufgeschrieben.

Kommentare
von Harry611
am ‎29.01.2018 09:41

Hallo,


kann man hier auch einen größeren Monitor bzw. Display nehmen. Habe einen 22 und 21 Zoll TFT.